Kontor Konkret

05.Juli.2021 - Markus Schulz

Ein authentisches Experiment

Gestern habe ich ein Experiment gemacht. Der alte Leistungskurs in Chemie kam dabei wohl wieder durch.

Du mischst Baking-Soda mit Zitronensäure in Wasser – und schon bläst das entstehende CO2 einen Luftballon auf. Coole Sache, die Zuschauer waren begeistert.

Und warum das Experiment?

Wenn die richtigen zwei Dinge zusammenkommen, dann entsteht Energie.

 

Wenn eine Überzeugung und eine praktische Umsetzung zusammenkommen, dann entsteht Energie. Dann werden Menschen mitgerissen und spüren nachhaltig, dass an der Sache etwas dran ist.

 

Die Überzeugung von Mahatma Ghandi beispielsweise, sich für Frieden und Freiheit in Indien einzusetzen, kam zusammen mit dem persönlichen Einsatz: Sich aktiv den britischen Truppen entgegenzustellen und nicht nur zu reden, das war überzeugend und setzte so viel Energie frei, dass Indien eine ganz neue Zukunft bekam.

 

Schwierig ist es dagegen, wenn Menschen ihre Überzeugung öffentlichkeitswirksam zum Ausdruck bringen, aber konträr leben. So haben es viele bei Donald Trump erlebt. Ein überzeugter Christ, der jeden Sonntag in die Kirche geht, viele christliche Beraterinnen und Berater einstellt – und dann grundlegende Werte wir den Schutz von Fremden im Land komplett aushebelt.

 

Was ist authentisch? Was setzt Energie frei?

Baking Soda und Zitronensäure in Wasser setzt CO2 frei. Und damit hebt dein Luftballon quasi ab.

Eine tiefe innere Glaubensüberzeugung, eine Verbindung zu Gott, dem Ursprung allen Seins gemixt mit der praktisch gelebten Liebe zu den Menschen – das setzt auch Energie frei. Positive Energie. Und ich glaube das diese Mischung extrem gesund ist.

An mir selbst stelle ich fest, dass die Zitronensäure allein, die praktische Arbeit sozusagen, so oft im Fokus steht. Mach dies, hilf dem, mach hier noch mehr, sei innovativ. Das gesellschaftliche Hamsterrad und der innere Antreiber ist hoch aktiv und schiebt und schiebt und schiebt. Wie viele Menschen sind ausgebrannt, obwohl sie sich doch so sehr einsetzen – für andere?

Das kann ganz schön anstrengend sein. Übrigens auch für die, denen geholfen wird oder werden soll. Wenn es da immer so einen hyperaktiven Weltverbesserer gibt, dann kann das ganz schön nerven und in Wahrheit wenig helfen.

 

Die zweite Zutat zum Experiment ist hilfreich: Baking Soda.

Gegründet im tiefen Sein Gottes, wissend: ich komme woher und ich gehe dahin – das korrigiert meinen Hyperaktivismus. Du bist bevor du tust. Geschaffen, gesehen, geliebt – das bist du bevor du anfängst, irgendetwas zu machen. Das Rad dreht sich langsamer, wenn ich die Zeit habe, auf diesem Grund immer wieder anzukommen und erst einmal zu sein. Und das ist extrem gesund.

 

And the other way round…

Ja, auch umgekehrt ist es gesund für die innere Überzeugung, wenn sie nicht bei sich bleibt, sondern aus sich heraus geht. Das Baking Soda braucht die Zitronensäure, damit Dampf auf dem Kessel entsteht. Eine mystische Glaubenshaltung allein, die sich von der Welt um sie herum verabschiedet, wird schnell fanatisch und weltfremd. Sie kann gefährlich und ungesund werden für den einzelnen und die Umgebung. Im Kontakt mit den Menschen korrigiert sich, schleift sich meine eigene Ansicht von Gott, dem Ursprung des Seins. So hat er sich das von Anfang an gedacht, glaube ich: Nicht einem hat er die Wahrheit in die Hand gedrückt, sondern immer einer Gruppe von Menschen. Die Christen hießen am Anfang „die des Weges sind“. Das gefällt mir: Miteinander und mit dem Ursprung allen Seins unterwegs.

 

Mal sehen, welche der beiden Zutaten ich diese Woche mehr ins Experiment reinwerfen muss. Ist ja nicht immer die gleiche Alltagsmischung.

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